Lesung von Daniel HoeraDaniel Höra entführt 102 Schülerinnen und Schüler der Clay-Schule in die Welt von Robert

Von Carolin Seidel

Das Wort Mobbing leitet sich von dem englischen Wort „mob“ ab, das eigentlich „Pöbel“ bedeutet. Als Verb wird daraus „anpöbeln“ oder „über jemanden herfallen“. Aus der Uneindeutigkeit des tatsächlich Gemeinten helfen die deutlichen Zeilen von Daniel Höra (53) heraus. In seinem Roman „Auf dich abgesehen“ schildert der selbstständige Autor und Schriftsteller was passiert, wenn Freundschaft und Zusammenhalt zugunsten von Angst und Gewalt gekapert werden. Am 21. Mai nahmen insgesamt 102 Schülerinnen und Schüler der Clay-Schule an der Lesung des 53-Jährigen teil, die in die grelle Welt von Robert entführte.

Der Inhalt der Anti-Mobbing-Lektüre ist schnell zusammengefasst: Robert vergisst auf einer Party sein Handy, bemerkt den Verlust aber erst einige Zeit später. Er geht noch einmal hin und hat es bald wieder. Doch am nächsten Tag haben sich seine Mitschüler und Freunde verändert. Einige machen seltsame Andeutungen, andere behandeln ihn wie einen Aussätzigen. Es dauert ein bisschen, bis er herausfindet, dass er angeblich ein Foto von Annika – seiner Klassenkameradin – auf Facebook gepostet haben soll. Das Foto zeigt das Mädchen, wie es nicht mit ihrem Freund, sondern einem anderen knutscht. Damit beginnt für Robert ein Spießrutenlauf, da ihm niemand glaubt, dass er das Foto nicht gepostet hat. Was als harmloser Scherz beginnt, endet in einer Spirale aus Gewalt und Hass, aus der Robert nicht mehr herausfindet.
 
Die fiktive Handlung des Romans erinnert an einen realen Fall: An die kanadische Schülerin Amanda Todd, die an den Folgen von Cyber-Mobbing durch Suizid starb. „Der Fall hat in mir irgendetwas angestoßen“, verriet Daniel Höra, der „Auf dich abgesehen“ als Auftragsarbeit für die Carlsen Clips-Reihe (kurze Romane in einfacher, direkter Sprache) verfasst hat. Insgesamt zwei Monate habe der Schriftsteller dafür gebraucht: „Ich bin kein Kopfmensch – das kam aus dem Bauch heraus.“ So auch der Eindruck bei der Lesung im Musicalraum 2, an der überwiegend Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 7 und 10 teilnahmen. Mit zehnminütiger Verspätung, einer großen Portion Selbstbewusstsein und coolen, direkten Sprüchen gewährte Höra zunächst Einblicke in sein Privatleben: „Ich bin an keiner guten Schule gewesen“, sagte er und fügte hinzu: „Und ich war auch kein guter Schüler.“ So ging es für Daniel Höra nach der Schulbank erst einmal als Taxifahrer über Umwege zu seinem eigentlichen Ziel. Es folgten Jobs unter anderem als Lagerarbeiter, Möbelträger, Kellner oder am Gewinnspiel-Telefon. „Dass ich Schriftsteller werden wollte, wusste ich aber schon immer.“

„Warum schreiben Sie kein Buch über sich selbst – das ist doch total interessant“, wollte einer der älteren Schüler wissen. Doch auch mit seinen ausgewählten Passagen traf der 53-jährige Autor im voll besetzten Musicalraum ins Schwarze: „Obwohl die Geschichte schlimm und manchmal verwirrend ist, haben die Textstellen neugierig gemacht. Ich wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht“, verriet eine Schülerin des 10. Jahrgangs. Offene Fragen durften gestellt werden, am Ende gab es sogar Autogramme. Mit der Resonanz zeigte sich die Organisatorin der Lesung Beate Lindh zufrieden: „Es ist immer wieder beeindruckend, wie sich Schülerinnen und Schüler von Lesungen angesprochen fühlen. Der auditive Zugang ermöglicht einen ganz anderen Umgang mit literarischen Texten und auch der direkte Kontakt zum Autor ist für viele eine besondere Sache.“ Dabei hatte es im Vorfeld immer wieder Stolpersteine gegeben: Lange war unklar, wo die Lesung stattfinden könne, da parallel Musicalproben auf der Clay-Agenda standen. „Die Termindichte war enorm“, so Beate Lindh, die selber Deutschlehrerin ist und den Fachbereich Deutsch zusammen mit Elke Schütz an der Clay-Schule leitet. Über die schulinterne öffentliche Bibliothek sei Beate Lindh auf Daniel Höra aufmerksam geworden, der bereits das zweite Mal an der Clay-Schule aus seinen Romanen las und sich damit als Wiederholungstäter entpuppte. Künftig sei keine weitere Lesung geplant. Dennoch „muss Lesen nach wie vor drin sein“, so die Organisatorin, die sich künftig einmal pro Jahr eine vergleichbare Veranstaltung wünscht.

Über den Autoren Daniel Höra lebt seit 23 Jahren in Berlin. Rund 90 Prozent seiner Lesungen finden in Schulen und karitativen Einrichtungen statt. Seit 2009 verfasst der heute selbstständige Autor Jugendbücher – aber auch Kurzgeschichten für Erwachsene. 2009 erschien sein letzter Roman „Gedisst“ mit einer ähnlichen Thematik. Ansonsten erzählen seine Werke von Krieg, Flucht und Vertreibung. Sein aktueller Roman „Auf dich abgesehen“ wurde im Jahr 2018 bereits 35.000 Mal verkauft.

 

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